Gesunde Ernährung – was ist das eigentlich?

Wenn du dich bereits mit dem Zusammenhang von Gesundheit und Ernährung auseinandergesetzt hast, hast du dich vielleicht auch schon das eine oder andere Mal überfordert gefühlt. Mir zumindest ging es immer so. Vegane Ernährung, Clean Eating, Paleo, Low-Carb, Vollwert oder vielleicht doch lieber nur Rohkost? Und was ist jetzt besser und gesund? Ob grüne Smoothies, Rohkostriegel oder Superfoods – immer wieder gibt es neue Ernährungstrends, die als Allheilmittel angepriesen werden, während genauso viele gegenteilige Meinungen existieren. Das macht die Sache natürlich nicht einfacher.

Auch wer sich an die üblichen ernährungswissenschaftlichen Empfehlungen hält, dem ist oft nicht weitergeholfen, da in all den wissenschaftlichen Studien über die Lebensmittel meist der Mensch als Individuum vergessen wird. So mag es durchaus sein, dass Vollkornprodukte, rohes Gemüse oder auch Goji-Beeren für sich genommen viele gute Nährstoffe in natürlicher Form enthalten, kein Vitamin verkocht oder sekundärer Pflanzenstoff ausgelaugt worden ist – die jeweilige Wirkung auf den Menschen als Individuum sieht jedoch oft ganz anders aus als im Reagenzglas.

Das ist im Ayurveda anders. Aus ayurvedischer Sichtweise gibt es keine Lebensmittel, die pauschal als gesund oder ungesund eingestuft werden.

„Unser Essen ist gesund, wenn es uns schmeckt, leicht verdaulich ist, uns auf allen Ebenen nachhaltig nährt, uns entlastet und Energie gibt.“

Wir sind gesund, wenn wir uns in Balance mit unserer eigenen und der uns umgebenen Natur befinden. Gesund ist somit immer abhängig von der eigenen Konstitution (Prakriti) oder eines bestehenden Ungleichgewichts der Doshas (Vikriti). Die Ernährung beeinflusst unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit maßgeblich. In der ayurvedischen Medizin lassen sich ganz genaue Empfehlungen über die richtigen Lebensmittel zur richtigen Zeit finden, abgestimmt auf die Jahreszeiten und angepasst an die jeweilige Konstitution des Menschen. Die Ernährung sollte immer in Übereinstimmung mit der jeweiligen Konstitution erfolgen, da wir je nach Typ unterschiedliche Nahrungsmittel und Zubereitungsweisen benötigen, um unseren Körper optimal zu ernähren.

Dies hat unter anderem den Grund, dass jeder Stoffwechsel anders arbeitet und funktioniert, sich jeder Körper wiederum anders an die Ernährung anpasst und die Nährstoffe auch unterschiedlich verwertet. Verschiedene Kombinationen von Lebensmitteln wirken sich bei zwei unterschiedlichen Menschen immer auch unterschiedlich auf die Verträglichkeit und auf die Verdauung aus. Deswegen ist es von fundamentaler Bedeutung, auch bei der Ernährung, jeden Menschen als Individuum zu betrachten.

Aktivierung der Intuition und Selbstheilungskräfte

Gleichzeitig bedeutet dies auch, dass der Ayurveda ohne Dogmen und Ernährungsverbote auskommt. Ziel in der Ernährung ist es immer, zur eigenen natürlich vorhandenen Balance zurückzukehren. Anstatt sich nach fremden Regeln zu ernähren, ist es somit umso wichtiger, die eigene Intuition zu stärken und wieder zu erlernen, die eigenen Körpersignale und -bedürfnisse richtig zu deuten und nach ihnen zu handeln. Nur dann, wenn man seine Wahl selbstbestimmt trifft, kann man angenehm gesättigt und zufrieden sein – und Zufriedenheit und Wohlgefühl ist von zentraler Bedeutung für die ganzheitliche Verdauung.

Geschmack mit Wirkung

In der Ayurveda gibt es sechs Geschmackrichtungen (rasa): süß (madhura), salzig (lavana), sauer (amla), scharf (katu), bitter (tikta) und herb (kasaya). Genau wie die Doshas stehen auch die Geschmacksrichtungen in Verbindung zu den fünf Grundelementen. Jedem Lebensmittel wird dabei die Dominanz einer Geschmacksrichtung zugeschrieben. Somit stellen die Geschmäcker eine wirkungsvolle Möglichkeit dar, unsere Doshas zu regulieren. Auch die mentale Wirkung der Geschmäcker darf dabei nicht unterschätzt werden. Sinnvollerweise wird auch dem Genuss als solchen eine wichtige Rolle zugeschrieben. Wenn uns ein Essen nicht schmeckt und wir uns damit nicht wohlfühlen, so ist es fraglich, ob es uns dann gut tun wird.

Eine Mahlzeit gilt im Ayurveda als besonders ausgeglichen, wenn sie alle Geschmacksrichtungen enthält. Diese sollten idealerweise in dieser Reihenfolge zu sich genommen werden: süß, sauer, salzig, scharf, bitter, herb.

Neben den Geschmacksrichtungen werden im Ayurveda auch die thermische Wirkung eines Lebensmittels (virya), der „Geschmack“, den ein Nahrungsmittel nach der Verdauung annimmt (vipaka) und die spezifischen therapeutische Heilwirkungen (praphava) erforscht. Den Lebensmitteln werden also Eigenschaften zugeordnet (z.B. warm, leicht, trocken, kalt, schwer, feucht etc.), nach denen ein auf den Menschen individuell abgestimmter Ernährungsplan erstellt werden kann.

Essen im Einklang mit der Natur

Die Konstitution von uns allen wird auf natürliche Weise durch das Alter, die Jahres- und Tageszeiten und das Klima beeinflusst. Wenn wir in einem kalten, windigen Klima wohnen, benötigen wir meistens mehr süße, energiespendende und aufbauende Vata-Nahrung, während wir in den Tropen eher das natürliche Verlangen nach frischen Früchten und herber Rohkost (Pitta) haben. Das ist auch gut so und du solltest immer darauf achten, deinen eigenen Bedürfnissen nachzugehen, anstatt dogmatisch an bestimmten Regeln festzuhalten.

Ziel ist ein starkes Verdauungsfeuer

Die Verdauung stellt im Ayurveda ein zentrales Element dar. Wenn unser Verdauungsfeuer (agni) stark und gesund ist, wird die aufgenommene Nahrung vollständig verwertet und nährt uns auf dem Weg durch die verschiedenen Körpergewebe, stärkt unser Immunsystem und gibt uns Lebensenergie.

Aus Sicht des Ayurveda entwickeln sich die verschiedenen Körpergewebe im Rahmen eines Stoffwechselprozesses. Deswegen wird vor allem das Zusammenspiel der drei Doshas mit dem Verdauungsfeuer (agni) und der Entstehung gesunder Körpergewebe untersucht. Denn ist ein Glied in der Kette aus dem Gleichgewicht geraten, werden immer auch die nachfolgenden Prozesse davon beeinflusst.

Die gesündesten Lebensmittel können somit für uns auch unverträglich sein, wenn unsere Verdauung nicht richtig arbeitet. Dies gilt es im Ayurveda zu vermeiden. Denn wenn unser Verdauungsfeuer gestört ist, können die Nährstoffe nicht optimal verarbeitet werden und gehen somit verloren. Dadurch wird auch der gesunde Gewebeaufbau beeinträchtigt. Somit wird im Ayurveda nicht die biochemische Zusammensetzung einer Speise betrachtet, sondern eine hohe Priorität auf die Verwertung dieser gelegt.

Die Kombination macht´s

Je nach Konstitution werden also bestimmte Lebensmittel und Zubereitungsweisen empfohlen. Alle Lebensmittel sollten grundsätzlich immer frisch, saisonal und regional sein. Da nicht alle Kombinationen an Nahrungsmitteln gleich gut miteinander verwertet werden können, sollte auf eine richtige Kombination von Lebensmitteln und eine Zubereitung mit verdauungsfördernden Gewürzen geachtet werden.

In der ayurvedischen Ernährungslehre spielen somit zusammengefasst folgende Faktoren eine wichtige Rolle: der Geschmack, die thermische Wirkung eines Lebensmittels, die Wirkung nach der Verdauung auf den Körper, Agni und die Elemente, die in der Nahrung enthalten sind und die der Körper braucht.

Hört sich doch kompliziert und nach vielen Regeln an?

Eigentlich ist es genau umgekehrt. Ziel des Ayurveda ist es nicht, uns mit vielen Regeln und Dogmen einzuschränken. Ayurveda soll uns helfen, wieder sensibler für unsere natürlichen Bedürfnisse zu werden, diese wahrzunehmen, zu deuten und auch ernst zu nehmen. Dadurch stellt sich irgendwann automatisch ein Gefühl dafür ein, Bedürfnisse zu erkennen und alle drei Doshas auszubalancieren.

Koch ayurvedisch!

Mit Livin´ Lightly möchte ich dir zeigen, dass ayurvedisch kochen weder aufwendig noch einseitig ist, sondern mit viel Genuss verbunden ist.

Wie funktioniert das?

Bei jedem Rezept ist die jeweilige Wirkung auf die Doshas angegeben, damit du dir je nach Körpertyp, Befinden oder Tages- und Jahreszeit deine für dich passenden Rezepte heraussuchen kannst:

1. Welche Grundkonstitution habe ich und welche Doshas dominieren?

Wenn du also z.B. ein Vata-Typ bist, ist bei dir grundsätzlich eher eine Vata-reduzierende Ernährung angesagt, bei der Pitta oder Kapha erhöht werden. Solche Rezepte sind dann mit dem Vata-Symbol gekennzeichnet. Wenn du dich in deiner natürlichen Balance befindest, kannst du eigentlich alles essen, solltest aber immer ein wenig auf dein dominierendes Dosha Acht geben.

2. Wie ist mein momentaner Zustand?

Wenn du eigentlich ein Vata-Typ bist und dich überwiegend mit warmen, nährenden Speisen ernährst, aber im Frühling eine typische Kapha-Erkältung bekommst, solltest du dich für die Zeit der Erkältung Kapha-reduzierend ernähren. Dabei solltest du am besten auch darauf achten, dein natürlich dominierendes Dosha dabei nicht zu erhöhen.

3. Winter, Frühling, Sommer & Herbst: Im Rhythmus der Jahreszeiten

Wahrscheinlich würdest du nie auf die Idee kommen, dich im Sommer ausschließlich von warmen Suppen und im Winter nur von Rohkost zu ernähren. Dies hat auch einen Grund. Der Rhythmus der Jahreszeiten hat einen großen Einfluss auf das Zusammenspiel der Doshas.

Da sich die fünf Elemente in jeglichem Organismus, jeder Pflanze und jedem Tier befinden, verschieben dementsprechend auch all jene Substanzen oder Einflüsse, denen wir ausgesetzt sind, mittels ihrer Eigenschaften unsere Dosha-Verhältnisse im Körper, so auch die Jahreszeiten.

  • Frühling (Februar-Juni): Kapha
  • Sommer (Juni-Oktober): Pitta
  • Herbst und Winter (Oktober-Februar): Vata

Zu diesen Jahreszeiten erhöhen sich die einzelnen Doshas und wir sollten versuchen das jeweilige Dosha mit besänftigenden Lebensmitteln auszugleichen. Empfehlenswert ist natürlich, nicht den Kalender entscheiden zu lassen, sondern die Einteilung anhand des tatsächlichen Klimas am Wohnort zu interpretieren, da ein kalter und verregneter Sommer eher selten Pitta erhöht.

Wenn du also z.B. ohnehin ein Vata-Typ bist, solltest du gerade im Winter besonders vorsichtig sein und versuchen, das Dosha zu auszubalancieren. Im Sommer wird sich ein Vata-Typ meist beflügelt und energievoll fühlen und selten Probleme mit überhöhtem Pitta bekommen. Trotzdem sollte natürlich auch ein Vata-Typ im Sommer darauf achten nicht zu viele anregend gewürzte, ölige Speisen zu sich zu nehmen und auf sein Pitta achten, was im Sommer z.B. oft zu einer unregelmäßigen Verdauung führt.

Foto Titelbild: Min Ling auf Unsplash