Ayurvedische Selbstmassage Schritt für Schritt erklärt

Abhyanga ist nicht nur die wichtigste Behandlungstechnik innerhalb der äußeren Ölanwendungen in der Ayurveda, sondern auch ein wunderschönes nährendes Ritual, dass du ganz einfach zu Hause praktizieren kannst. Was viele nicht wissen – eine regelmäßig durchgeführte Ölmassage hat eine tiefgreifende Wirkung auf dein körperliches und seelisches Wohlbefinden. Sie nährt dich ganzheitlich.

Was ist Abhyanga genau?

Die therapeutische Anwendung von Ölen ist wohl mit die bekannteste Therapieform der ayurvedischen Medizin. Besonders in der westlichen Welt war Ayurveda lange Zeit nur für Wellness-Ölmassagen bekannt. Dabei ist Abhyanga eigentlich viel mehr als nur Wellness.

Abhyanga (Sanskrit) heißt soviel wie Salbung oder Massage und ist die im Ayurveda praktizierte klassische Ganzkörpermassage mit warmen Ölen. Die Art der Massage und Auswahl der Öle wird dabei auf die jeweilige Konstitution (Vata, Pitta, Kapha) oder Dysbalance abgestimmt.

Desweiteren gibt es auch lokale Ölmassagen wie z.B. Gesichtsmassagen, Massagen des Brustraums (z.B. bei Asthma), der Gelenke im Falle von Arthrose oder auch Stirngüsse.

Was passiert mit dem Öl, nachdem ich es auf die Haut aufgetragen habe?

Der Ayurveda wusste schon lange, dass die menschliche Haut in der Lage ist, Substanzen aufzunehmen und regelrecht zu „verdauen“. Das Öl, dass du auf deine Haut aufträgst, durchschreitet also problemlos die Hautbarriere. Es zieht nicht einfach nur ein, sondern gelangt von dort in deinen Körper und deinen Blutkreislauf. Verantwortlich hierfür machte man das sogenannte Brajaka-Pitta, das Verdauungsfeuer der  Haut. Einerseits ist es auch für die Regulierung der Körpertemperatur verantwortlich, aber auch für die Absorptionsfähigkeit der Haut – um Stoffe und Substanzen aufzunehmen und in den Körper zu leiten. Wenn man bedenkt, dass über die Haut aufgrund der großen Oberfläche Wirkstoffe in bis zu 40 mal höherer Dosierung verabreicht werden können, als wenn man dieselben Wirkstoffe über den Verdauungstrakt einnehmen würde, ist dies schon beachtlich. Auch deswegen ist es übrigens immer sinnvoll Kräuter zu kauen oder homöopathische Mittel zu lutschen, da viele Wirkstoffe über die Mundschleimhaut aufgenommen werden können.

Was genau bringt mir eine ayurvedische Selbstmassage mit Öl eigentlich?

Eine regelmäßig durchgeführte Ölmassage hat nicht nur einen spürbaren Effekt auf deinen physischen Körper, sondern auch auf deinen Geist und deine Psyche. Gerade deswegen wird den Ölmassagen im Ayurveda auch eine hohe Wirkungskraft zugesprochen.

Die wichtigsten Wirkungen der Ölmassagen sind:

  • Die Haut isst mit – Öl als Träger von medizinischen Substanzen: Das Öl bleibt nicht einfach auf deiner Hautoberfläche, sondern dringt tief in deinen Körper und deine Gewebe ein. Besonders bei der Verwendung von Sesamöl werden dem Körper eine ganze Menge an Antioxidantien zugeführt. Aber auch jedes andere Öl hat eine ganz spezielle Wirkung auf deinen Körper. Abhyanga wirkt immer auf deinen Blutkreislauf und dein Nervensystem. Dies ist von Vorteil für den Blutdruck, die Durchblutung der Gewebe und bei allen Arten von Verspannung.
  • Ausleitung von Ablagerungen und Schlacken: Das Öl gelangt in die Körpergewebe und kann von dort die eingelagerten fettlöslichen Giftstoffe wie ein Schwamm binden und abtransportieren. Denn wenn sich im Körper viele unverwertbare Stoffe befinden, lagern diese sich bevorzugt im Fettgewebe ab. Mit dem Öl gelangen sie dann zur Ausscheidung. Auf diesem einfachen Wege wird also eine wirklich tiefgreifende Entschlackung der Körpergewebe erreicht. Die Ausscheidung erfolgt dabei vor allem über die Nieren, den Stuhlgang und die Haut. Hierfür benötigt der Körper jedoch eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Für eine gute Funktion des Organismus ist es also auch sehr wichtig, ausreichend Wasser zu trinken.
  • Dosha-Balance: Auch übermäßig angesammelte oder gestörte Doshas können mit dem Öl ausgeschieden werden, um dem Körper wieder in seine natürliche Balance zurückzuführen. Vor allem wirken Ölmassagen beruhigend auf das Vata-Dosha.
  • Wohlgefühl und Selbstliebe auf allen Ebenen: Eine Ölmassage ist eine wundervolle Praxis und gerade im Winter unvergleichlich wohltuend. Ich habe schon mehrmals gesehen, wie Patienten nach einer Ölmassage quasi wie ein anderer Mensch den Raum verlassen. Tägliches Abhyanga sorgt für sanfte und glatte Haut und einen starken Körper. Doch die Massage wirkt auch auf deinen Geist nährend und beruhigend. Man kann spürbar merken, wie geistige Unruhe und Angespanntheit langsam weniger werden und somit hat eine Ölanwendung immer auch eine stabilisierende und aufbauende Wirkung.

Wann soll ich eine Selbstmassage mit Öl durchführen?

Eine Selbstmassage mit Öl ist Teil der ayurvedischen Morgenroutine, die u.a. aus Zungenschaben, Ölziehen und Ölmassage besteht. Das bedeutet am besten jeden Tag! Soviel vorweg: Keine Zeit ist keine Ausrede. Es dauert nicht mehr als zwei Minuten seinen Körper mit Öl einzureiben. In der Zwischenzeit kannst du Yoga praktizieren, dein Frühstück vorbereiten, die Wohnung aufräumen oder was du sonst so morgens zu erledigen hast.

Die Wirkungen der Öle auf die Doshas

  1. Erhitzende und aktivierende Öle
    Erhitzende Öle werden vor allem eingesetzt um Vata und Kapha zu senken. Gleichzeitig haben diese Öle eine aktivierende Wirkung, da sie die Durchblutung und den Stoffwechsel anregen. Sie werden vor allem bei Vata-Störungen wie trockener Haut, Verspannungen oder auch z.B. Arthrose eingesetzt. Die meist verwendeten Öle sind Sesam- oder Senfsamenöl.
  2. Kühlende und nährende Öle
    Diese Öle werden eingesetzt, wenn eine aufbauende Wirkung wie z.B. bei starker Gewichtsabnahme erwünscht ist. Nährende Öle sind vor allem Kokos-, Oliven-, Rizinus-, und Mandelöl sowie Ghee.

Ölmassagen für jeden Konstitutionstyp

Vata: Vata-Personen können bevorzugt zu Sesamöl greifen, da es eine sehr tiefgreifende und erwärmende Wirkung auf die Gewebe hat. Gerade im Winter sind solche Öle besonders wohltuend. Da Vatas zu innerer und äußerer Trockenheit neigen, hat man bei der Haut von Vatas gerne mal das Gefühl, dass sie das Öl literweise aufnehmen könnte. Deswegen können alle Vata-Konstitutionen ausreichend warmes Öl verwenden und sich mit besonders langsamen Bewegungen massieren.

Pitta: Pittas können Kokosöl verwenden. Da sie gerne mal zu kleinen Hautentzündungen neigen, sind Öle gefragt, die kühlend wirken. Kokosöl hat eine Pitta-reduzierende Wirkung. Im Winter können Pittas auch zu Sonnenblumenöl greifen. Ghee ist auch ein sehr gutes Mittel bei zu hohem Pitta und kann besonders für Fußmassagen eingesetzt werden. Pittas sind ruhige Massagen schnell mal zu langweilig, jedoch sind es gerade diese, die besonders gut für ihr hitziges Gemüt sind.

Kapha: Kaphas benötigen anregende und stark erhitzende Öle wie Sesamöl. Ein gutes Öl ist auch Maisöl, da es sehr leicht ist. Zu viel Öl sollte nicht verwendet werden, da Kaphas von Natur aus „ölig“ sind. Besser ist es, wenn du weniger Öl einsetzt und dieses dann mit dynamischen, kraftvollen Bewegungen einmassierst. Im Falle einer Kapha-Dysbalance kann auch anstelle von Öl mit anregendem Kräuterpulver oder einem Seidenhandschuh trocken massiert werden.

Für das Gesicht kannst du ein Öl nehmen, was gut riecht und dir gut gefällt, wie z.b. Mandel- oder Rosenöl.

 

Wo kann ich die Öle kaufen?

Du solltest darauf achten nur hochwertige Bio-Öle zu verwenden. Es gibt auch speziell gefertigte Öle, die auf die jeweiligen Konstitutionen abgestimmt sind. Hier auf Amla Natur erhältst du einen guten Überblick.

 

Wann sollte ich auf eine Ölmassage verzichten?

  • Bei Verschleimungen
  • Bei Ama (Stoffwechselschlacken), was du an einem dicken Zungenbelag erkennst
  • Direkt nach dem Essen, besser ist morgens direkt nach dem Aufstehen
  • Wenn du deine Menstruation hast

 

Ayurvedische Selbstmassage Schritt für Schritt erklärt

Da sich die wenigsten die Zeit nehmen können, sich morgens eine Stunde lang selber zu massieren, möchte ich dir heute zeigen, wie ich die ayurvedische Selbstmassage in meinen Alltag einbaue und wie du diese Schritt für Schritt umsetzen kannst.

  1. Vor der Ölmassage praktiziere ich Zunge schaben und Ölziehen. Danach putze ich die Zähne. In der Zwischenzeit erwärme ich vorsichtig das Öl auf kleiner Flamme.
  2. Zuerst trage ich ein wenig warmes Öl im Gesicht und an den Ohren auf und massiere es mit sanften Bewegungen von oben nach unten ein. Ich beginne mit den Ohren, den Ohrläppchen und von dort über den Scheitel zum Kinn.
  3. Von dort folgt der Hals und die Arme. Mit kreisenden Bewegungen kannst du das Öl von der Schulter bis zum Handgelenk verteilen und einmassieren. Auch die Hände und jeden einzelnen Finger.
  4. Dann kannst du das Öl auf deinen Oberkörper auftragen. Du beginnst oben bei den Schultern und arbeitest dich über den Bauchnabel nach unten weiter. Im Bauchbereich kannst du im Uhrzeigersinn arbeiten, um deinen Darm zu unterstützen.
  5. Zuletzt verteilst du das Öl an deinen Beinen und Füßen. Du beginnst in der Innenseite, über die Außenseite hin zu deinen Knöcheln.
  6. Am Ende ist dein ganzer Körper von einer dünnen Ölschicht überzogen. Du solltest das Öl mindestens 10-15 Minuten einwirken lassen und es dann unbedingt mit heißem Wasser abduschen. Entweder kannst du das Öl 15 Minuten einmassieren oder einfach einwirken lassen und nebenbei etwas anderes erledigen. Versuche in der Dusche auch auf hautfreundliche Kosmetika und Seifen zu achten – denn wie du weißt, die Haut isst mit. Zur Unterstützung kannst du deine Haut mit einem Luffa-Handschuh abreiben. Ein leichter Ölfilm bleibt immer auf der Haut und macht sie wunderbar geschmeidig und weich.

Wie du siehst, ist eine ayurvedische Ölmassage viel mehr als nur oberflächliche Hautpflege. Es ist eine wundervolle Praxis für Körper, Geist und Nervensystem, die ein hohes Wirkpotenzial hat und für ganzheitliches Wohlbefinden sorgt. Ich möchte die ayurvedische Selbstmassage inzwischen nicht mehr missen.

 

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Disclaimer:
Dieser Bericht spiegelt ausschließlich meine persönlichen Erfahrungen wider und kann nicht als Empfehlung oder Beratung verstanden werden. Von einer Selbstindikation ist abzuraten.

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