Dampfende Dals an jeder Ecke – cremig, triefend von Butter und die zarten Linsen zergehen geradezu im Mund. Farbe, Konsistenz, Zutaten und Gewürzmischung unterscheiden sich je nach Region und Herkunft. Doch eines ist ihnen gemeinsam: Sie sind nährend, wohltuend und unfassbar köstlich. Sie schenken uns Kraft und Erdung und lassen uns wohlig, zufrieden und gesättigt fühlen.

Dals und Hülsenfrüchte im Ayurveda

In Indien gibt es eine große Vielfalt an verschiedenen Hülsenfrüchten. Unendlich viele. Meistens sind sie in drei verschiedenen Arten erhältlich: Als ganze Hülsenfrucht, halbierte Hülsenfrüchte mit Haut und halbierte geschälte Hülsenfrüchte. Suppen oder Eintöpfe, die mit irgendeiner Art von Hülsenfrüchten – ob Kichererbsen, Linsen, Bohnen oder Erbsen – hergestellt werden werden in Indien Dals genannt. Dementsprechend gibt es unendlich viele Variationen von Dals. In Indien wurden die Hülsenfrüchte zu leichten Suppen, zu cremigen Dals, zu einer Art Fladenbrot, aber auch in einer trockeneren Variante zum Frühstück zubereitet. Mir ist oftmals gar nicht bewusst gewesen, dass ich dreimal täglich Hülsenfrüchte gegessen habe, da sie so verschieden und kreativ zubereitet worden sind.

Die bekanntesten Sorten sind:

  • Mungbohnen: Mungbohnen sind kleine grüne Hülsenfrüchte, die innen gelb sind. In Indien werden sie für süße und herzhafte Gerichte verwendet. Die grünen Mungbohnen haben vegetabile Aromen und schmecken etwas wie grünes Gemüse. Die gelben geschälten Bohnen (Mungdal) hingegen sind milder und süßlicher und können gut für Desserts oder Kitchari verwendet werden. Mungbohnen werden auch als Sprossen gegessen. Im Ayurveda gelten sie als Heilnahrung, weil sie sehr leicht verdaulich und trotz Schale kaum Blähungen erzeugen. Am leichtesten verdaulich sind die geschälten Bohnen, die jedoch weniger Mineralstoffe enthalten.
  • Urad Dal: Die Urdbohnen sind schwarze kleine Linsen, die der Mungbohne sehr ähnlich sehen, jedoch vollkommen anders schmecken. Sie schmecken leicht erdig und ergeben, sobald sie gekocht sind, eine sehr cremige Textur. Es gibt sie in geschälter und ungeschälter Variante. Urad Dal ist von aufbauender Qualität, aber eher schwer verdaulich.
  • Channa: Kichererbsen gibt es in Indien in zwei Varianten: Eine ist klein mit dunkler Schale (Desi Channa) und die andere ist größer und weiß und wird Kabuli Channa genannt. Kichererbsen werden sowohl als ganze Bohne, aber auch halbiert und geschält verwenden. Sie haben einen nussigen und erdigen Geschmack. Sie sind schwerer verdaulich und sollten immer lange eingeweicht und gekocht werden. Die geschälten und halbierten Kichererbsen werden Channa Dal genannt. Kichererbsen gelten als trocknend und Vata erhöhend. Leichter verdaulich werden sie mit vielen Gewürzen und z.B. als Hummus püriert.
  • Masoor: Was viele nicht wissen – die Schale von roten Linsen ist eigentlich braun. Da sie geschält werden und der Kern eine rote Farbe hat, werden sie auch rote Linsen genannt. Die Linsen haben einen nussigen und süßlichen Geschmack und sind sehr mild und gut verdaulich.
  • Toor Dal: Straucherbsen, die vor allem in Südindien als Grundnahrungsmittel gelten. Sie werden für Currys und Dals verwendet und besitzen einen milden und nussigen Geschmack.

Allgemein haben die meisten Hülsenfrüchte einen süßen und zusammenziehenden Geschmack, wirken leicht und trocken und haben eine kühlende Potenz. Viele erhöhen Vata und senken das Pitta- und Kapha-Dosha. In der richtigen Zubereitung und mit der Wahl der passenden Hülsenfrüchte, werden sie jedoch von den meisten Menschen sehr gut vertragen. Die verträglichsten sind Mung Dal und rote Linsen.

Hülsenfrüchte richtig zubereiten

Im Ayurveda wird immer darauf geachtet, dass durch die passende Zubereitung und Wahl der Gewürze die enthaltenden Nährstoffe optimal aufgeschlüsselt und verwertet werden können. So sorgst du für ein gutes Bauchgefühl:

  1. Hülsenfrüchte (z.b. Mungdal) ausgiebig unter fließendem Wasser waschen, bis die Flüssigkeit klar wir;
  2. Einweichen über Nacht oder vor Gebrauch und danach abspülen;
  3. Einen Gewürzsud aus passenden Gewürzen (z.B. Kreuzkümmel, Koriander, Kurkuma, Hing, Ingwer, Bockshornklee, Ajwain) herstellen und in Ghee anbraten. Darin dann die Linsen anbraten und mit Wasser ablöschen;
  4. Lange Kochzeit: Umso schwacher deine Verdauungskraft, umso länger solltest du sie kochen;
  5. Mittags mit etwas Ghee und einem Spritzer Zitronensaft und Steinsalz frisch gekocht und warm essen.

Dals schenken uns Erdung und Stabilität

Hülsenfrüchte sind von aufbauender und nährender Qualität. Da die Ayurvedaküche vor allem vegetarisch ist, sind Hülsenfrüchte und Dals ein unersetzbarer Bestandteil. Sie haben einen hohen Proteingehalt, was gleichermaßen für Stabilität und Kraft sorgt.  Sie sind ein echtes Ur-Nahrungsmittel und versorgen uns mit mehr B-Vitaminen, Kalium, Magnesium und Eisen als Fleisch. Außerdem enthalten sie viele essentielle Aminosäuren und Kohlenhydrate, die den Blutzuckerspiegel langsamer erhöhen, als Getreide. Deswegen werden sie im Ayurveda auch bei Verschlackung und zur Entgiftung eingesetzt.

Ich finde, dass Dals eine unglaublich erdende und stabilisierende Wirkung haben und uns durch den hohen Proteingehalt ein Gefühl von innerer Zufriedenheit und Sättigung schenken. Ich liebe sie einfach. Meistens esse ich grüne Mungbohnen, gelbes Mungdal und rote Linsen. Ich kann es kaum erwarten, wieder nach Indien zu reisen und dort das erste Dal zu essen.

Dals und Hülsenfrüchte: Die ayurvedische Proteinquelle - Eine Liebeserklärung

Rezept für Rotes-Linsendal mit geröstetem Blumenkohl und Schwarzkümmel   

Dieses Dal ist richtig zubereitet für alle Konstitutionen verträglich. Blumenkohl ist eine Kohlsorte, die relativ leicht verdaulich ist bei richtiger Zubereitung Vata nicht zwingend erhöht. Bei schwacher Verdauung kannst du einfach ein anderes Gemüse (z.B. Möhren, Zucchini) verwenden oder weitere verdauungsfördernde Gewürze wie Kümmel zum Marinieren nehmen. Pittas können Paprika und Senfsaat auslassen.

Zutaten für 2 Personen:

150 g rote Linsen, evtl. eingeweicht und gut abgespült
2-3 Hand voll Blumenkohl
1 kleine rote Zwiebel
1 kleines Stück Ingwer
1/2 TL Asafoetida
1 /4 TL Bockshornklee, gemahlen
1/4 TL Koriander, gemahlen
1,5 TL Kreuzkümmel, gemahlen
1 TL Paprika, gemahlen
1 Prise Zimt
1/4 TL Kurkuma, gemahlen
1/2 TL Senfsaat
Steinsalz
langer Pfeffer
1-2 TL Tomatenmark
2 EL Ghee oder Sesamöl

Frischer Koriander
1 TL Schwarzkümmel

Zubereitung:

Backofen auf 180 °C vorheizen. Zwiebeln und Ingwer schälen und fein hacken. Blumenkohl in Röschen zupfen und auf dem Backblech verteilen. 1 EL flüssiges Ghee oder Sesamöl mit 1/4 TL Asafoetida, Salz, Pfeffer und etwas Kreuzkümmel und 1 TL Paprikapulver vermischen und das Öl in den Blumenkohl einmassieren. Für ca. 20 Minuten im Ofen backen.

In der Zwischenzeit in einem weiten Topf Ghee erhitzen. Senfsaat in den Topf geben und zum Springen bringen. Zwiebel und Ingwer hinzufügen und glasig dünsten. Asafoetida, Bockshornklee, Kreuzkümmel und Kurkuma hinzugeben und dann mit den roten Linsen und dem Tomatenmark kurz andünsten. Mit heißem Wasser oder Gemüsebrühe ablöschen und aufkochen lassen. Bei kleiner Temperatur etwa 15-20 Minuten langsam köcheln lassen.

Mit Salz, Pfeffer, Koriander und einer Prise Zimt abschmecken. Schwarzkümmel in einer kleinen Pfanne ohne Fett kurz anrösten und mit dem Koriander und dem Blumenkohl als Topping über das Dal geben. Mit ein wenig Ghee und einem Spritzer Zitronensaft heiß servieren.

Alles Liebe,
Verena

 

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