Yoga und Ayurveda stammen beide aus der Samkhya-Philosophie, eines der ältesten philosophischen Systeme indischen Ursprungs. Seitdem haben sowohl Yoga als auch Ayurveda viele Neuerungen und Wandlungen erfahren. Heutzutage stehen in den westlichen Ländern im Yoga die Körperübungen (Asanas) im Vordergrund, während es in der ursprünglichen Lehre vielmehr darum ging, zu verstehen, wie der Geist und die Psyche funktionieren und was wir tun können, um einen ruhigen und klaren Geist zu entwickeln. Auch Ayurveda sind nicht nur entspannende Ölmassagen und Wellnessanwendungen. Beides sind uralte Systeme, die unseren Körper und Geist heilen und unser Leben in Qualität und Tiefe verändern können.

Das Verständnis des Menschen als Einheit

Obwohl der Ursprung der ayurvedischen Medizin im 2. Jdh. v. Chr. liegt, war das Wissen der damaligen Ärzte schon sehr weit fortgeschritten. Auch das anatomische Wissen stand dem unseren in nichts nach. Das Verständnis des Menschen war jedoch im Gegensatz zur Schulmedizin schon immer ganzheitlich.

Der Blick auf den ganzen Menschen beinhaltet die physische Ebene (Organe und Stärke der Systeme), die psychische Ebene und die energetische Ebene, also der Energiefluss in den einzelnen Systemen. So wird z.B. ein erkranktes Organ nie isoliert gesehen und nur auf physischer Ebene betrachtet. Die Wurzel vieler körperlicher Beschwerden liegt meist tiefer, so dass es wichtig ist Praktiken zu kennen, mit denen wir alle Ebenen beeinflussen können.

Im Ayurveda wird bei der Behandlung eines erkrankten Organes also auch eine Disharmonie der Bioenergien, der Verdauungskraft und die emotionale und geistige Verfassung in Betracht gezogen. Blockierungen auf der einen Ebene bewirken immer auch Blockierungen auf anderen Ebenen.

Erst im Zusammenspiel entfalten Ayurveda & Yoga ihr gesamtes Potential

Sowohl im Ayurveda als auch im Yoga spielen das Element Feuer (Agni) sowie das universelle Prinzip von Prana (Lebensenergie) eine große Rolle. Ayurveda betrachtet auf körperlicher Ebene das Verdauungsfeuer als entscheidender Schlüssel zu allen physiologischen Prozessen im Körper. Wenn das Verdauungsfeuer gut funktioniert, sind wir nicht nur in der Lage, die Nahrung besser aufzuschlüsseln und Nährstoffe aufzunehmen, sondern wir können auch mehr Prana (Lebensenergie) aus den Nahrungsmitteln ziehen.

Beim Yoga liegt der Schwerpunkt vor allem auf der Entwicklung des Lebensfeuers (Pranagni), das Agni von Prana (Lebensenergie). Eine Stärkung des Pranagni können wir durch Asanas und Pranayama (Atemübungen) bewirken und beeinflussen damit gleichzeitig auch auf körperlicher Ebene unser Verdauungsfeuer und alle körperlichen Systeme positiv.

Während das Verdauungsfeuer vor allem die physische Ebene anspricht, betrifft das Lebensfeuer die energetische Ebene. Auf geistiger bzw. psychischer Ebene betrachten wir das geistige Feuer. Wenn wir einen klaren Geist haben, scharfe Sinne und mit uns selbst zufrieden sind, dann arbeitet das geistige Feuer in uns gut.

Diese drei biologischen Feuer in uns spielen eine entscheidende Rolle im Ayurveda & Yoga. Mithilfe der richtigen, zu uns passenden Ernährung, bestimmten Kräutern, Körper- und Atemübungen und Meditation können wir sie positiv beeinflussen, unsere Selbstheilungskraft aktivieren und fühlen, dass wir unser Leben selbst in der Hand haben.

Es ist somit wichtig, dass wir Praktiken kennen, mit denen wir alle Ebenen (Körper, Psyche, Energiefluss und Bewusstsein) ansprechen können, um alle Aspekte unserer Existenz harmonisch zu vereinen, damit sich für uns das ganze Potential unseres Lebens entfalten kann.

 

Das könnte dir auch gefallen:

Quelle: Frawley, David: Yoga und Ayurveda. Die uralte Kunst der spirituellen und psychosomatischen Integration. 2010.