Es ist Vorweihnachtszeit. Morgens ein Stück Schokonusskuchen mit den Kollegen. Ausnahmsweise. Später noch Plätzchen backen und Abends dann noch auf den Weihnachtsmarkt auf einen Glühwein. Vielleicht auch zwei. Nebenbei noch gebackene Reibekuchen essen und wenn man schon hier ist noch einen Schokocrêpe. Ist ja Weihnachtszeit. Das gehört ja dazu. Ab Januar dann endlich wieder mehr Sport machen, ein paar Wochen auf Zucker und Alkohol verzichten und nur noch grüne Smoothies trinken. Mal so einen richtigen Detox. Das wird gut tun.

Das Schwanken zwischen Extremen – wäre ein Mittelweg vielleicht sinnvoller?

Im Dezember ist jedoch die Zeit für Genuss, wir dürfen vier ganze Wochen das genießen, was wir uns das ganze Jahr über verboten haben. Spätestens Neujahr kommen dann die guten Vorsätze. Die zugenommenen Pfunde müssen schleunigst wieder abtrainiert werden, am besten noch vor dem Frühstück und der Arbeit, und alles, was wir eigentlich so gerne essen, wird radikal aus dem Speiseplan gestrichen.

Man findet massenweise Beiträge, die einem hilfreiche Tipps geben, wie wir dem bösen Süßhunger und dem Verlangen nach Zucker entkommen können – denn süchtig nach Industriezucker sind wir ja sowieso alle, wird suggeriert. Weiterhin Kekse futtern, viel Zeit mit Freunden verbringen oder einfach mal auf dem Sofa rumhängen passt eben auch so gar nicht in unsere heutige Zeit. Schließlich wollen wir alle erfolgreich, fit und schön sein.

Die Adventszeit, in der wir genießen dürfen, ist dabei für viele eine Art Ventil, um all das nachzuholen, was sie sich das ganze Jahr über verboten haben. Diese Phasen wechseln sich immer wieder ab, aber so richtig in unserer inneren Mitte und zufrieden fühlen wir uns dabei komischerweise in keine der beiden Phasen.

Haben wir vielleicht verlernt zu Genießen?

Ich erlebe es in meinem Arbeits- und Bekanntenkreis regelmäßig. Auf die Frage am Montag Morgen „Und, wie gehts dir?“, wird immer wieder die Antwort gegeben: „Joah, alles gut soweit. Viel Stress, wie immer.“ Eher selten kommt es vor, dass jemand antwortet: „Großartig, danke. Im Moment ist es im Job entspannt und ruhig und am Wochenende habe ich viel Zeit mit meinen Freunden verbracht, gekocht und einfach mal nichts getan.“

Sogar im privaten Umfeld hört man häufig, dass sich Menschen regelrecht dazu zwingen müssen, einmal nichts zu tun. Wer nicht gestresst ist, arbeitet nicht hart genug und das möchte natürlich keiner gerne hören.

Doch wo führt uns der Drang nach Selbstoptimierung hin?

Stunden des Nichts tuns, Genuß und Entspannung werden als vertane Zeit und Disziplinlosigkeit aus dem Alltag verbannt. Natürlich wird weiterhin gegessen und versucht abzuschalten, außerhalb der Adventszeit allerdings immer mit schlechtem Gewissen.

„Stress gilt in unserer heutigen Leistungsgesellschaft sogar als Statussymbol und Zeichen für ein hohes Leistungspensum.“ (Cornelia Wirth)

Viele Menschen sind auch unglaublich stolz darauf, sieben Tage die Woche bis auf die letzte Minute durchgeplant zu haben, sich dabei trotzdem noch gesund zu ernähren und Sport zu treiben und werten es als ein Zeichen ihrer eigenen Stärke und Leistungsfähigkeit. Wir rennen statt zu laufen. Die negativen Auswirkungen auf ihren Geist und Körper nehmen sie zwar wahr, ignorieren sie aber gekonnt. Wer hat schließlich in der heutigen Zeit keine Rückenschmerzen?

Und wenn man sich dann mal Zeit nimmt, verbringt man diese lieber mit Netflix, Instagram & Co, statt wirklich einmal ganz bei sich selbst zu sein, da man einfach nicht mehr „runterkommen“ kann.

Lernen zu genießen

Als Kind beherrscht quasi jeder noch die Fähigkeit und die Kunst des Genießens, die Fähigkeit, sich einfach dem Moment hinzugeben, zu spüren und wertzuschätzen, ohne in Gedanken schon wieder bei der nächsten To-Do-Liste und dem nächsten Projekt zu sein.

„Der Schlüssel für echten Genuss lautet: Achtsamkeit im Hier und Jetzt“

Sich und seine Umwelt mit allen Sinnen bewusst wahrnehmen und den Moment auf sich wirken lassen, ohne ihn zu bewerten.  Ein liebevoll zubereitetes und gesundes Essen kann nur seine heilende Wirkung entfalten, wenn wir es wertschätzen und es genießen. Und genauso sind Zeiten des Nichtstuns und das Genießen von sündhaft leckeren Schokobrownies nur dann Balsam für die Seele, wenn uns dabei nicht permanent ein schlechtes Gewissen plagt. Denn Gesundheit entsteht vor allem dann, wenn sich unser System in Balance befindet, ohne das wir uns dabei ständig optimieren wollen.

Ayurvedisch gesehen, führen dauernder Stress und Erschöpfungszustände meist zu einer Störung des Vata-Doshas, was zu Nervosität, Sorgen und Spannungszustände führt. Da sich in der kalten Jahreszeit zusätzlich bei uns allen das Vata-Dosha auf natürliche Art und Weise erhöht, sollten wir vor allem jetzt dafür sorgen, dass wir uns immer wieder eine Auszeit nehmen und Maßnahmen ergreifen, um das Dosha sanft auszubalancieren.

In zehn Schritten zu mehr Genuss & Entschleunigung

Gerade die Vorweihnachtszeit empfinden viele aufgrund diverser Verpflichtungen und Termine als stressig und anstrengend. Und wenn sie sich dann einmal eine Auszeit gönnen, fällt es ihnen schwer, diese dann auch ohne schlechtes Gewissen genießen zu können.

Auch du sehnst dich nach ein wenig mehr Erdung im Alltag und einer kleinen Pause? Dann sind diese Tipps ideal für dich.

1. Schritt: Routine und regelmäßige warme Mahlzeiten

Gerade im Herbst und Winter sind regelmäßige und warme Mahlzeiten wichtig, um wieder zu Kräften zu kommen. Warme Mahlzeiten, gerade ein warmes Frühstück, beruhigen jetzt vor allem das Vata-Dosha und sorgen für Stabilität, Erdung und innere Ruhe.

Doch auch allgemein solltest du auf regelmäßige Pausen und Routinen in deinem Alltag achten. Je nachdem, welcher Dosha-Typ du bist, kann dies weniger oder besonders wichtig für dich sein.

2. Schritt: Erdende, süße Speisen

In der Winterzeit sind vor allem Speisen angesagt, die die Geschmacksqualität süß und viele gute Fette enthalten, da diese dich nähren, von innen befeuchten und ausgleichen. Z.B. morgens ein warmes Porridge, mittags ein Kitchari und abends eine Suppe – ideal ist also Nahrung, die flüssig und warm ist. Diese Speisen signalisieren deinem Körper Wohlgefühl, Geborgenheit und schenken deiner Psyche eine liebevolle Stabilität

Süße Gemüse und Getreide: Reis, Kartoffeln, Süßkartoffeln, Pastinake, Sellerie, Petersilienwurzel, Rote Bete, Kürbis, Karotte, Avocado. Auch solltet du eher zu süßem Obst, wie Birnen, Bananen oder Feigen greifen.

Hochwertige Fette: Avocado, Sesamöl, Mandeln, Ghee, Sesam, Cashewkerne, Walnüsse, Pistazien etc.

3. Schritt: Wärmende Gewürze

Zimt, Nelken, Muskat und Süßholz, gerne auch als Tee, kannst du vor allem dann verwenden, wenn dich oft der Heißhunger auf Süßes überkommt. Aber auch Ingwer, Pfeffer, Fenchel, Ajwain oder Asa feotida heizen dich so richtig schön von innen auf.

4. Mit allen Sinnen genießen

Wir essen mit all unseren Sinnen: Riechen, Schmecken, Sehen, Hören und Tasten. Das Wahrgenommene kann immer nur aus dieser multisensorischen Konstitution heraus verstanden werden. Versuche, dich einmal am Tag nur auf dein Essen zu konzentrieren: Rieche, schmecke, kau langsam und sorgfältig und konzentriere dich nur auf dich selbst. Zelebriere dein Essen mit Dankbarkeit und Liebe.

5. Schritt: Öl, Öl und Öl

Nicht nur innerlich sollten wir darauf achten, gute Fette zu uns zu nehmen, sondern auch äußerlich können Öle Wunder wirken. Nimmt dir Zeit für dich und öle dich mindestens zwei Mal pro Woche von Kopf, inklusive der Kopfhaut, bis Fuß mit angewärmten Sesam- oder Mandelöl ein und lasse das Öl bis zu einer Stunde einwirken. Dabei kannst du versuchen, das Öl sanft in deinen Körper einzumassieren. Danach kannst du dich warm abduschen.

Die Ölmassage regt dein Agni (Verdauungsfeuer) an, deine Muskeln, Bindegewebe und Gelenke werden gestärkt und deine Haut geschmeidig und weich. Außerdem verbessert sie deine Schlafqualität und sorgt mental für Konzentration und Ruhe.

Auch ätherische Öle wie Lavendel, Orange oder Rose steigern dein Wohlbefinden und wirken beruhigend. Diese kannst du in einer Duftlampe oder als Badezusatz anwenden.

6. Schritt: Frische Luft

Auch in der kalten Jahreszeit, solltest du darauf achten, dich regelmäßig an der frischen Luft zu bewegen. Jedoch solltest du dabei deine Kräfte schonen und dich nicht übernehmen. Spaziergänge an der frischen, kalten Winterluft sind ideal und sorgen für einen klaren Kopf und ordnen deine Gedanken.

7. Einfach mal durchatmen – Pranayama

Pranayama (Atemübungen) wirken beruhigend auf dein vegetatives Nervensystem. Achte darauf, beim Ein- und Ausatmen immer deine Ausatmung lange zu betonen. Mit ein bisschen Übung können diese Übungen dir helfen, dich in jeder Spannungssituation zu entspannen.

8. Vergebung & Dankbarkeit

Umso liebevoller du mit dir selbst umgehst, umso liebevoller und achtsamer gehst du auch mit deiner Nahrung um. Dann kann diese auch ihre wahre, heilende Qualität entfalten. Dazu gehört auch, dass du lernst, dir selbst und Anderen zu vergeben. Sei dankbar und wertschätze deine Nahrung.

9. Loslassen

Stell dir vor, du könntest von allen Dingen augenblicklich loslassen, die bei dir Stress erzeugen. Was wären das für Dinge? Schreib sie auf und versuche sich nacheinander von ihnen zu befreien. Wenn es dir gelingt, den ganzen unnötigen Ballast, den du mit dir rumschleppst, über Bord zu werfen, wirst du dich schnell wieder leichter und energiegeladener fühlen.

10. Meditation

Versuche, mindestens 10 Minuten am Tag einzuplanen, in denen du meditierst. Entweder direkt nach dem Aufstehen oder vor dem Schlafen gehen, wichtig ist, dass du ein wenig Zeit und Ruhe hast. Das Meditieren verschafft dir Klarheit und hilft dir dabei, wieder eine Balance zu deiner inneren Natur herzustellen.

 

Rote Bete-Brownie – saftig, üppig und vegan

Zutaten

370 g Mehl (z.B. Reismehl)
2 TL Backpulver
5 TL Kakaopulver
1/2 TL Vanillepulver
1 Prise Salz
100 ml Sonnenblumenöl
125 ml Dattelsirup oder Ahornsirup
100 ml Apfelmark
50 g vegane Schokolade (70 %)
250 g geraspelte Rote Bete

Zubereitung

Heize den Ofen auf 175 °C. Erwärme vorsichtig das Öl in einem kleinen Topf und füge Dattel- oder Ahornsirup und die Schokolade hinzu. Rühre, bis die Schokolade geschmolzen ist. Rote Bete hinzufügen. Siebe das Mehl und vermische es mit dem Backpulver, Kakaopulver, der Vanille und dem Salz sowie mit dem Apfelmark. Jetzt alles mit der Rote Bete-Masse vermischen. Fette eine Backform mit Kokosfett und fülle den Teig in die Form. Backe den Kuchen für etwa 25 Minuten. Falls du eine Glasur für den Kuchen möchtest, kannst du einfach Kokosfett, Schokolade und Kakao schmelzen und über den abgekühlten Kuchen streichen.

Ich wünsche dir genussvolle und ruhige Weihnachtstage!
Shine your light!

Alles Liebe,
Verena

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