Grüne Smoothies im Ayurveda

Grüne Smoothies gelten seit einigen Jahren als das Health-Food schlechthin: In wenigen Schlucken kannst du quasi deinen ganzen Nährstoffbedarf in Rohkostform auf einmal konsumieren und sie versorgen dich mit allem was du brauchst. Klingt großartig, oder?

Doch Hand aufs Herz: Wie fühlst du dich, nachdem du einen grünen Smoothie getrunken hast? Ich zumindest habe immer angefangen innerlich zu frösteln und hatte danach das Gefühl, nicht richtig geerdet zu sein. Doch eigentlich stehen die grünen Nährstoffbomben doch für Energie, Gesundheit und Detox – woran liegt es, dass Smoothies vielen von uns doch gar nicht so gut tun, wie sie eigentlich versprechen?

Smoothies aus ayurvedischer Sicht

Der Ayurveda teilt Lebensmittel oder Gerichte nie pauschal in gesund oder ungesund ein, da jeder Stoffwechsel und jedes Verdauungsystem unterschiedlich funktioniert und somit jeder Mensch individuell zu betrachten ist. Aus ayurvedischer Sicht kann man somit nicht sagen, dass alle Smoothies pauschal für Jeden geeignet sind. Es hängt immer von unserer genetischen Grundlage – im Ayurveda der individuellen Dosha-Zusammensetzung – ab, wie verträglich Lebensmittel für uns sind.

Gerade Menschen mit einem sensiblen Verdauungssystem bereiten grüne Smoothies Verdauungsprobleme oder es stellt sich ein Gefühl der fehlenden Erdung trotz Sättigung ein. Auch Frieren und Müdigkeit können sich dazugesellen.

Das kommt dir alles total fremd vor? Wenn du ein sehr gut funktionierendes Verdauungsfeuer hast und dich nach einem grünen Smoothie so richtig energiegeladen fühlst, dann war der Smoothie in dem Moment vielleicht genau das Richtige für dich.

Aus ayurvedischer Sicht sind vor allem folgende Punkte kritisch zu hinterfragen:

  • Kalt und roh: Meistens werden Smoothies eisgekühlt und roh serviert. Eisgekühlte Getränke und Lebensmittel werden im Ayurveda eher weniger empfohlen, da sie langfristig unser Verdauungsfeuer schwächen können. Dabei wird der Stoffwechsel runtergefahren, was dazu führt, dass wir müde werden und frieren. Besser ist es immer, wenn alle Lebensmittel warm oder zimmertemperiert konsumiert werden. Dann muss unser Körper gar nicht erst die Energie aufbringen, diese eiskalten Speisen auf Körpertemperatur zu bringen. Auch Rohkost ist gar nicht mal so leicht zu verdauen und sollte nur dann in größeren Mengen gegessen werden, wenn das Agni stark genug  ist.
  • Können wir die Nährstoffe aufnehmen? Wir können alle Superfoods, Rohkostsalate und Energieriegel der Welt zu uns nehmen, wenn unser Körper jedoch nicht in der Lage ist, die Nährstoffe aufzunehmen und zu verstoffwechseln,  nützen uns diese gar nichts. Im Gegenteil: Derartige Lebensmittel überfordern durch ihre unglaublich Dichte an Nährstoffen unser Verdaungssystem und schwächen es eher. Leicht verdauliche und einfache Gerichte mit wenigen Zutaten hingegen entlasten uns und können das Verdauungsfeuer stärken und stabilisieren. Auch wenn solche Gerichte einen niedrigeren Nährstoffgehalt aufweisen, so kann unser Körper optimalen Nutzen aus den vorhandenen Nährstoffen ziehen und wir fühlen uns wach, leicht und voller Energie.
  • Passt der grüne Smoothie zu meinem Verdauungsfeuer und meiner Konstitution? Smoothies werden pauschal als gesund angepriesen. Doch du kennst es vielleicht selber: Nach einem süßen Obstsmoothie fühlst du dich super, während du nach einem grünen Smoothie mit Grünkohl und Spinat Verdauungsprobleme bekommst? Höre auf dein Bauchgefühl und wähle nur Zutaten aus, die dir gut tun. Während z.B. Pitta-Typen grüne Smoothies oft gut vertragen, sollten vor allem Vatas darauf achten, weniger Blattgemüse und mehr süßes Obst und wärmende Gewürze zu verwenden.

Smoothies ayurvedischer machen

Smoothies sind ein guter Trend und können wirklich eine tolle Bereicherung für unsere Ernährung darstellen. Aus ayurvedischer Sicht solltest du bei der Smoothiezubereitung folgende Punkte beachten:

  • Spüre in dich hinein: Nach dem einen Smoothie fühlst du dich super, nach dem anderen weniger? Im Sommer hast du morgens manchmal regelrechtes Verlangen nach einem grünen Smoothie? Nimm deine Bedürfnisse und körperliche Resonanz ernst. Sie sind immer der Schlüssel zur nachhaltigen Balance.
  • Mit den Jahreszeiten: Auch die Jahreszeiten haben eine große Wirkung auf die Zusammensetzung unserer Doshas.  An warmen Sommertagen kannst du saftige Gemüsesorten wie Gurke, Zucchini, Salate und süße Obstsorten sowie milde Gewürze verwenden. Im windigen Herbst passen Wurzelgemüse wie Rote Bete, Karotten und Sellerie mit Birne, Apfel oder Trauben gut. In der Winterzeit und an kalten Tagen ist es besser, mit Rohkost etwas vorsichtiger umzugehen und im Smoothie bevorzugt zu süßen Gemüse- und Obstsorten und wärmenden Gewürzen zu greifen, um Vata nicht unnötig zu erhöhen. Vielleicht ist ein wärmender Getreidebrei dann auch einfach die bessere Wahl.
  • Zur richtigen Zeit: Mittags ist unser Verdauungsfeuer am stärksten, weshalb es am sinnvollsten wäre, Smoothies um die Mittagszeit herum zu trinken.
  • Richtige Temperatur: Besser verträglich sind Smoothies, wenn sie nicht eisgekühlt, sondern zimmertemperiert getrunken werden.
  • Immer schön kauen: Es ist nicht empfehlenswert, einen grünen Smoothie in zwei Sekunden eiskalt herunterzukippen. Stell dir vor, du würdest einen ganzen Kohlkopf mit drei Bananen in zwei Minuten essen. Die unglaubliche Menge an Nährstoffen, die unser Körper in kürzester Zeit auf einmal verarbeiten soll, ist einfach unnatürlich. Am besten ist es, einen Smoothie wie jedes andere Gericht auch zu kauen und langsam zu genießen.
  • Verwendung von Gewürzen: Du hilfst deinem Körper bei der Verdauung und Aufschlüsselung der Nährstoffe, wenn du verdauungsfördernde und dosha-gerechte Gewürze wie z.B. Ingwer, Zimt oder langer Pfeffer einsetzt.
  • Richtige Kombination: Nicht jeder verträgt die Kombination von Obst mit anderen Lebensmitteln gut. Gerade Obstsorten wie Melonen sollten immer alleine gegessen werden. Wenn du ein sensibles Verdauungsfeuer hast, kann es besser sein, Obst nicht mit Gemüse zu kombinieren. Auf jeden Fall solltest du die Kombination von Milchprodukten und Obst meiden, da diese als absolut unverträglich gilt.
  • Keep it simple: Weniger ist mehr. Wir machen es der Verdaung einfacher, wenn wir wenige, dafür sorgsam ausgewählte Zutaten verwenden.

Dosha-gerechte Smoothie-Zubereitung

Am besten ist es für Jeden großenteils leicht verdauliche Gemüsesorten, Blätter und Salate wie Karotten, Gurken, Rote Bete, Sellerie oder Feldsalat zu verwenden und sehr bittere, kalte, raue und herbe Lebensmittel nur sparsam einzusetzen. Ein kleiner Anteil an Bitterstoffen wirkt entgiftend und befreit von Stoffwechselschlacken. Weniger ist jedoch mehr, da die bittere und zusammenziehende Geschmacksqualität austrocknend auf den Körper wirkt und die Verdauung schwächen kann.

Mit den richtigen Lebensmitteln und Gewürzen kannst du dir deinen perfekten Dosha-Smoothie zubereiten:

Vata: Vatas setzen am besten auf süße und leicht verdauliche Gemüsesorten. Wenn dir grüne Smoothies nicht so zusagen, ist es vielleicht auch besser, zu Obstsmoothies zu greifen. Süße Obstsorten wie Bananen, Birnen, Trauben, Feigen, Mangos oder Papayas sind besonders gut. Dazu gerne wärmende Gewürze, einen Spritzer Zitrone, ein paar Datteln und vielleicht ein Schuss Mandelmilch und etwas Ghee.

Pitta: Pittas können gerne kühlende, süße und bittere Sorten verwenden. Gut sind Wassermelonensmoothies oder Smoothies aus Gurke, Blattsalat, Trauben, frischem Koriander und etwas Kokosöl oder -milch.

Kapha: Kaphas können in Gewürzen schwelgen und gerne auch vermehrt zu allen grünen Zutaten, frischen Kräutern, Ingwer und anderen erhitzenden Gewürzen greifen. Diese schenken ihnen Leichtigkeit und Energie. Vermieden werden sollten Smoothies mit vielen Bananen oder Milchprodukten.

Ayurvedischer Frühstücks-Smoothie

Ayurvedischer Frühstückssmoothie

Ich persönlich habe wirklich nur sehr selten Appetit auf Rohkostsmoothies oder -säfte.  Was ich jedoch immer liebe, ist dieser köstliche ayurvedische „Frühstücksmoothie“, der sehr nährend und aufbauend ist:

Zutaten:

1 Tasse frische Mandelmilch
4 saftige Datteln
1/2 TL Zimt
1 Msp. Vanillepulver
1 Prise Salz
1 TL Ghee

Optional: 1 Schuss Rosenwasser

Zubereitung:

Alle Zutaten miteinander vermixen und noch warm genießen.

Egal, was gerade so Trend ist, wichtig ist immer darauf zu hören, was dir nachhaltig Energie und Kraft gibt und womit du dich wirklich wohl, geerdet und zufrieden fühlst. Dabei kann es hilfreich sein, die eigenen Ernährungsgewohnheiten immer mal wieder zu hinterfragen. Schau doch einfach mal, ob die Lebensmittel und Speisen dir wirklich so gut tun, wie sie versprechen. Wenn du dich danach voller Energie fühlst, war der Smoothie oder auch Rohkostriegel in diesem Moment vielleicht genau das Richtige für dich.

Was hältst du von Smoothies? Ich bin gespannt auf deine Erfahrungen.

Alles Liebe,
Verena

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