In der ayurvedischen Ernährung gibt es, wie bei uns auch, verschiedene Geschmacksrichtungen. Der Ayurveda geht jedoch davon aus, dass diese unmittelbar Einfluss auf dein Befinden, deine Emotionen und dein Zusammenspiel von Körper und Psyche nehmen. Du kannst solche Informationen in der Charaka Samhita 1 + 2 nachlesen, einer Schriftsammlung der traditionellen Ayurveda-Literatur.

Die 6 Geschmacksrichtungen im Ayurveda

  • süß – madhura
  • sauer – amla
  • katu – scharf
  • lavana – salzig
  • tikta – bitter
  • kashaya – herb

Die ganze sinnlich wahrnehmbare Welt so wie der Mensch selbst besteht im Ayurveda aus den fünf großen Elementen Erde, Feuer, Wasser, Luft und Äther. Diese Gleichartigkeit von Mensch und Welt ist die Grundlage der Wechselbeziehung zwischen uns und unserer Umwelt. Alles, was wir mithilfe unserer Sinne aufnehmen, beeinflusst uns, da es sich genau, wie wir selbst auch, aus den fünf Elementen konstituiert. Die sechs Geschmacksrichtungen (rasas) stehen somit in enger Beziehung zu den Doshas und können diese direkt beeinflussen. Wie die ganze sinnlich wahrnehmbare Welt werden auch die Rasas in ihren Eigenschaften den fünf Elementen zugeordnet.

Süß / Madhura

Lebensmittel mit süßem Geschmack bestehen vor allem aus den Elementen Erde und Wasser. Sie gleichen somit den Elementen, aus denen sich das Kapha-Dosha zusammensetzt. Wenn du süße Nahrung zu dir nimmst, wirst du also vorwiegend Kapha aufbauen und Vata oder Pitta reduzieren.  Süße Lebensmittel wirken kühl und nährend und können in richtiger Menge für Stabilität, Erdung, gesunde Haut, Haare und Körpergewebe sorgen. Im Übermaß konsumiert führen sie zu Übergewicht, Trägheit und Müdigkeit. Zu den süßen Lebensmitteln zählen unter anderem die meisten Getreidesorten, Reis, Milch, Käse, Datteln, süßes Obst und süße Gemüsesorten.

Sauer / Amla

Lebensmittel mit saurem Geschmack bestehen vor allem aus den Elementen Feuer und Erde. Somit werden hier sowohl Pitta als auch Kapha-Dosha erhöht, während Vata reduziert wird. Saure Lebensmittel wirken energetisch erhitzend. Im richtigen Maße konsumiert können sie für eine gute Verdauung und Ausscheidung sorgen und die Sinne schärfen. Im Übermaß führen sie zu starkem Durst, Hautproblemen, Ausschlag, Sodbrennen und Gereiztheit. Saure Lebensmittel sind z.B. Zitrusfrüchte, Joghurt, Tomaten, saures Obst, sauer vergorene Produkte und Wein.

Salzig / Lavana

Lebensmittel mit salzigem Geschmack bestehen vor allem aus Feuer und Wasser. Sie haben somit dieselben Elemente wie Pitta. Dies hat zur Folge, das salzige Lebensmittel Pitta stark erhöhen können. Da Pitta für Metabolismus steht, also für Umwandlung und Stoffwechseltätigkeit, werden solche Speisen eine positive Wirkung auf den Stoffwechsel haben. Durch den Anteil von Wasser kann Kapha leicht erhöht werden. Salzige Lebensmittel wirken energetisch erhitzend. Lebensmittel mit salzigem Geschmack sind Steinsalz, Meersalz, Himalaya-Salz, Seetang und Sojasoße. Im Ayurveda wird allgemein die Verwendung von Steinsalz empfohlen.

Scharf / Katu

Lebensmittel mit scharfem Geschmack bestehen vor allem aus Feuer und Luft. Somit können diese im Übermaß verzehrt sowohl Pitta als auch Vata erhöhen und Kapha senken. Im richtigen Maße verzehrt, verbessern scharfe Lebensmittel den Stoffwechsel und alle organischen Funktionen und wecken die Sinne, können im Übermaß jedoch zu Durchfall, Hitze und Erschöpfung führen. Energetisch wirken diese Lebensmittel erhitzend, leicht und trocken. Scharfe Lebensmittel sind z.B. Chilischoten, Pfeffer, Rettich, Hing, Meerrettich, Paprika, Senfsaat und Radieschen.

Bitter / Tikta

Lebensmittel mit bitterem Geschmack bestehen vor allem als Luft und Äther und weisen somit dieselbe Zusammensetzung auf wie das Vata-Dosha. Deswegen kann bittere Nahrung Vata, das für Katabolismus steht, also für Abbau, erhöhen. Eine solche Nahrung führt zur Gewichtsreduzierung sowie Gewebeabbau und hat eine reinigende und antibakterielle Wirkung auf den Körper. Im Übermaß führt sie zu Schwäche, Trockenheit und Müdigkeit und sollte daher sparsam eingesetzt werden. Lebensmittel, die bittere Eigenschaften aufweisen sind z.B. Löwenzahn, Disteln, Chicoree, Kakao, Kaffee, frischer Kurkuma, Bockshornkleesamen. Energetisch weisen diese Lebensmittel kühle, trockene und leichte Eigenschaften auf.

Herb / zusammenziehend / adstringierend / Kasaya

Lebensmittel mit herbem Geschmack bestehen vor allem aus Luft und etwas Erde. Somit wird vor allem das Vata-Dosha erhöht, während Kapha und Pitta reduziert werden. Energetisch wirken diese Lebensmittel kühl, trocken und leicht. Im richtigen Maße helfen bittere Lebensmittel bei Hautkrankheiten, Verschleimungen, Fieber, allen entgiftenden Prozessen und reinigen das Blut. Im Übermaß führen sie zu Gewebeabbau, Trockenheit und anderen Vata-Störungen. Zu herben Lebensmitteln zählen alle Lebensmittel mit hohem Anteil an Gerbstoffen wie unreife Bananen, grüne Bohnen, Kurkuma, schwarzer Tee, Rhabarber, Kichererbsen, Salat, junger Honig.

Der Nachgeschmack: Vipaka

In der ayurvedischen Ernährungslehre gibt es noch einen Begriff, der für dein Verständnis wichtig ist: Der Vipaka ist die Wirkung der Nahrung, die diese nach der Verdauung auf deinen Körper und deine Gewebe annimmt. Hierbei werden nur die drei Wirkungen süß, sauer und scharf unterschieden. Im Allgemeinen haben die Geschmacksrichtungen süß und salzig einen süßen Vipaka, saure Nahrungsmittel einen sauren Vipaka und scharf, bitter und zusammenziehend einen scharfen Vipaka. Es gibt jedoch auch Ausnahmen. So hat der Granatapfel beispielsweise einen zusammenziehenden Geschmack, aber einen süßen Vipaka oder Bananen einen süßen Geschmack auf der Zunge und einen sauren Vipaka, weshalb Pitta-Konstitutionen sie eher meiden sollten.

Mit diesen Prinzipien in Balance essen

1. Gleiches verstärkt Gleiches: Grundsätzlich gilt der Gegensatz von Gleichheit und Gegensätzlichkeit. Vata-Konstitutionen sollten deswegen vor allem süße, saure und salzige Lebensmittel, Pitta-Konstitutionen herbe, bittere und süße und Kapha-Konstitutionen herbe, bittere und scharfe Lebensmittel wählen. 2. Alle sechs Geschmäcker auf einem Teller: Idealerweise enthält eine Mahlzeit bei gesunder Verfassung einen Anteil aller sechs Geschmacksrichtungen und diese sollten, wenn möglich, auch in der Reihenfolge süß, sauer, salzig, scharf, bitter und herb gegessen werden, da dies der Reihenfolge entspricht, in der die Lebensmittel verdaut werden. Je nachdem, welchem Konstitutionstyp du entsprichst, solltest du dabei bestimmte Geschmäcker in größerer Menge und andere in kleinerer Menge zu dir nehmen. Befindest du dich in einer starken Dysbalance, kann es auch angebracht sein, bestimmte Geschmäcker zeitweise ganz zu vermeiden. 3. Im Einklang mit deiner Umwelt: Unsere Dosha-Verhältnisse im Körper werden bei uns uns allen auf natürliche Weise durch das Alter, die Jahres- und Tageszeiten und das Klima beeinflusst. Wenn wir in einem kalten, windigen Klima wohnen, benötigen wir meistens mehr süße, energiespendende und aufbauende Vata-Nahrung, während wir in den Tropen eher das natürliche Verlangen nach frischen Früchten und herber Rohkost (Pitta) haben. Das ist auch gut so und du solltest immer darauf achten, deinen eigenen Bedürfnissen nachzugehen, anstatt dogmatisch an bestimmten Regeln festzuhalten. 4. Deine Bedürfnisse sind der Schlüssel zur Balance: Wenn du dich in einem Gleichgewicht befindest, verspürst du normalerweise auch Appetit auf die Lebensmittel, die dir gut tun und dich nähren. Befindest du dich bereits in einer Dysbalance, so kann es sein, dass du verstärkt zu Nahrung greifst, die dieses Ungleichgewicht zusätzlich noch verstärkt. Mit der Zeit bekommst du jedoch ein Gespür dafür, um welche Art von Bedürfnis es sich handelt.

Rezept für eine bunte Bowl aus gebackener Aubergine, Rote-Bete-Bällchen, Hirseroti und Kokosjoghurt

Zutaten (für zwei-drei Portionen)

Für die Auberginen: 1 große Aubergine Sesamöl 1 Msp. Hing 1/2 TL Chiliflocken Salz, schwarzer Pfeffer Für die Rote Bete-Bällchen: 3 mittelgroße Rote Bete, gegart 180 g gekochte Kichererbsen (als Alternative schmeckt auch Hirse sehr gut) 200 g Haferflocken 1 TL Kreuzkümmel 1 Msp. Hing 1 TL Kurkuma 1 EL Tahini Zitronensaft zum Abschmecken Salz, schwarzer Pfeffer Sesamöl zum Braten Für die Hirseroti: 150 g Braunhirsemehl 80 g Wasser 2-3 EL Ghee 125 g Kokosjoghurt Koriander 1 Avocado Zitronensaft zum Abschmecken Ayurveda Rezept Bowl aus gebackener Aubergine, Rote-Bete-Bällchen, Hirseroti und Kokosjoghurt

Zubereitung

Backofen auf 180 °C vorheizen. Aubergine waschen, in dicke Scheiben schneiden und auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen. Für die Marinade Sesamöl mit Hing, Salz und Pfeffer vermischen und die Auberginen von beiden Seiten damit einpinseln. Im Backofen für ca. 20-30 Minuten backen. Für die Rote-Bete-Bällchen die Haferflocken in einer Küchenmaschine zu einem feinen Mehl zerhäckseln. 3 EL des Hafermehls beiseite stellen. Rote Bete klein schneiden und mit allen anderen Zutaten vermixen und die Masse abschmecken. Zu kleinen Bällchen formen und in dem restlichen Hafermehl wälzen. In einer großen Pfanne Sesamöl erhitzen und die Bällchen von allen Seiten knusprig braten. Für die Hirseroti Wasser und Mehl vermengen. In einer kleinen Pfanne etwas Ghee erhitzen und die Roti nacheinander in dem Fett ausbacken. Je nach Belieben dazu noch etwas Kokosjoghurt, mit Zitronensaft besprenkelte Avocado und Koriander servieren. Alles Liebe, Verena

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