Für viele Deutsche ist Brot aus dem Speiseplan nicht wegzudenken. Morgens ein Croissant, mittags das Pausenbrot und abends das Abendbrot oder vielleicht mal eine Pizza. Gerade hierzulande ist der Konsum von Brot und Backwaren enorm hoch. Bei vielen Menschen bestehen zwei Mahlzeiten am Tag grundsätzlich aus Teigwaren. Aus ayurvedischer Perspektive ist diese Form der Ernährung aus verschiedenen Gründen eher ungünstig und für kein Dosha empfehlenswert.

Brot ist ganz schön in Verruf gekommen in den letzten Jahren. Warum ich trotzdem ab und zu gerne ein frisches, knuspriges Brot esse, erfährst du jetzt.

Brot: Mehr als nur ein Nahrungsmittel

Natürlich ist Brot ein wichtiges und großartiges Grundnahrungsmittel und wird in vielen Ländern konsumiert. Seien es in Griechenland das Fladenbrot, in der Türkei Pide oder in Frankreich Teigwaren wie Baguette. In anderen Teilen der Welt hingegen basiert die Ernährung großenteils auf Reis (Süd- und Südostasien) und Brei, der aus gekochtem Mais, Quinoa und Amaranth (Südamerika) oder Hirse (Afrika) hergestellt wird. In Indien ist der Brotkonsum wiederum recht hoch. Vor allem im Norden des Landes werden täglich neben dem Reis dünne Brotfladen zum Essen serviert.

Jedoch gilt wie bei allen ayurvedischen Ernährungsempfehlungen auch bei Brot der Grundsatz: Es kommt immer auf die Menge und Art des Brotes und auf deine individuelle Konstitution und dein Verdauungsfeuer an.

Brot & Backwaren aus ayurvedischer Sicht

Allgemein wird Brot als kalt, trocken und eher schwer verdaulich eingestuft. Brot kann jedoch ganz unterschiedlich auf den Organismus und die  Zusammensetzung der Doshas wirken.

Wirkung der Brottypen auf die Doshas

  • Vata: Allgemein lässt sich festhalten, dass Sauerteigbrote meist besser vertragen werden als Hefebrote. Brote mit Hefe beeinflussen Vata oftmals negativ, führen zu Blähungen und können auf lange Sicht die Darmflora stören. Daher empfiehlt der Ayurveda hefefreie Brote, da diese leichter verdaulich sind. Vor allem die Kombination von Weizen und Hefe ist weniger empfehlenswert.
  • Pitta: Sauerteigbrote können bei Pitta-Konstitutionen oft zu Verdauungsproblemen und Sodbrennen führen.
  • Kapha: Kapha-Konstitutionen sollten vorzugsweise Sauerteigbrot wählen, am besten aufgetoastet und warm.

Ein sehr hoher Brotkonsum, vor allem aus schwer verdaulichem hochgezüchteten Weizen, kann nicht nur mit Verdauungsproblemen einhergehen, sondern bei Kapha-Konstitutionen zu Übergewicht, einem ständigen Hungergefühl und einem trägen Stoffwechsel, bei Pitta-Dominanz zu Sodbrennen oder bei Vata zu Schlafstörungen, Blähungen und Gewichtsverlust führen. Zusätzlich wird das Brot ja selten alleine, sondern hierzulande in Kombination mit Milchprodukten, Wurstwaren und süßen oder würzigen Aufstrichen gegessen, die diese Wirkung oft verstärken. Eine solche Hauptmahlzeit versorgt uns zwar mit viel Energie, jedoch meist mit zu wenigen Nährstoffen.

Die trockenen und kalten Eigenschaften von Brot erhöhen vor allem das Vata-Dosha. Vata-Typen sollten Brot am besten getoastet mit viel Ghee und einer reifen Avocado und einem Spritzer Zitronensaft und einer Prise Salz essen.

Pitta-Typen vertragen Brot meist recht gut. Am besten ist es für Pittas das Brot mit Ghee und einem Gemüseaufstrich und frischen Kräutern oder ein paar Gurkenscheiben zu essen.

Kapha-Typen sollten ihr Brot immer aufgetoastet essen und leicht verdauliche Aufstriche wie Honig oder herbe und scharfe Gemüseaufstriche wählen.

Ein Ersatz für eine ausgewogene Hauptmahlzeit kann Brot nicht sein. Wenn du oft zu wenig Zeit zum Kochen hast, bereite dir doch eine schnelle Suppe zum Brot dazu, pack dir eine Avocado ein oder dünste dir ein wenig frisches Gemüse mit Ghee und Gewürzen. So wird das Brot durch die Gewürze leichter verdaulich und die trockenen Eigenschaften durch Suppe oder Ghee ausgeglichen.

Vollkorn und Weißmehl aus ayurvedischer Sicht

Auch das pauschal als so gesund angepriesene Brot aus Vollkornmehl muss erst einmal verdaut werden können. Bei Menschen mit einem sehr sensiblen Verdauungssystem ist Brot allgemein und Vollkornbrot im Besonderen nicht empfehlenswert und kann zu weiteren Störungen führen. Das heißt natürlich nicht, dass bevorzugt zu Weißmehl gegriffen werden sollte, ganz im Gegenteil. Insgesamt gelten Produkte aus Weißmehl als vitalstoffarm und tamasisch und Vollkornprodukte sind grundsätzlich diesen immer vorzuziehen. Wenn du also ein schwaches Verdauungsfeuer hast, ist es vielleicht eher angebracht, zu einem warmen Porridge zu greifen und auf Brot weitgehend zu verzichten.

Brot & Backwaren: Zur richtigen Zeit

Die Zeit, in der dein Verdauungsfeuer am stärksten arbeitet, ist etwa zwischen 11-14 Uhr. Hierzulande wird Brot jedoch meist morgens oder abends gegessen, zu Zeiten, in denen leicht verdauliche Speisen angebracht wären. Wie ich auch im Beitrag Warum ein warmes Frühstück dein Leben verändern wird beschrieben habe, kannst du dir deine Verdauung wie ein brennendes Feuer vorstellen. Erstickst du das Feuer mit viel zu viel Holz, wie mit kalten, schweren und rohen Speisen, wird das Feuer gezügelt oder es erlischt komplett. Die Nahrung liegt dann schwer im Magen, kann anfangen zu gären oder du fühlst dich einfach schlapp und leicht müde. Dies sollte vermieden werden.

Wenn du unbedingt morgens Brot essen möchtest, dann wähle besser ein leicht verdauliches Getreide (kein Weizen), toaste das Brot auf und esse dazu einen frischen Gemüseaufstrich. Achte einfach mal darauf, ob dir das morgendliche Brot gut tut und du dich danach energievoll fühlst.

Zubereitung & Qualität

Traditionelle Methoden sehen eine sehr aufwändige Verarbeitung des Getreides vor, das mit Einweichen von Getreide anfängt und einer langen Gärführung und Backen des Teiges aufhört. Das Brot wurde einst mit frisch gemahlenem Getreide, Salz, Wasser und eigens hergestelltem Sauerteig oder Hefe gebacken.

Diese Brote sind meist bekömmlicher als verarbeitete Brote mit agressiven Triebmitteln und Enzymzusätzen, da der lange Gärprozess dafür sorgt, dass schwer verdauliche Anteile des Mehles aufbereitet werden können und von uns nicht mehr verdaut werden müssen. Die meisten Bäcker verwenden jedoch Backmischungen mit einer Vielzahl von Zusatzstoffen, die das Backverhalten, die Verarbeitungs- und Lagerfähigkeit verbessern sollen. Auch ist es empfehlenswert, Getreide aus biologischem Anbau zu kaufen, das nicht auf chemisch bewirtschafteten Böden wachsen musste.

Bedeutet also: Die Art des Getreideanbaus, die Getreidesorten, Zusatzstoffe und veränderte Backverfahren belasten die meisten im Handel erhältlichen Brotsorten und auch unsere Verdauung. Der Körper hat nämlich eine Menge damit zu tun, die ganzen Konservierungsstoffe, Aromen und Zusatzstoffe wieder auszuscheiden. Was nicht ausgeschieden werden kann, lagert sich im Gewebe ab und hat langfristig negative Auswirkungen auf den Organismus.

Fazit:

Der Ayurveda teilt Lebensmittel nicht in „gut“ oder „schlecht“ ein, sondern nach ihrer individuellen Wirkung auf den Organismus. So wie jedes Brot unterschiedlich ist, so unterscheiden sich auch die Esser. Ziel ist es immer, dass dir deine Nahrung nachhaltig Energie, Stabilität und Leichtigkeit schenkt.

Wenn du dich nach dem Verzehr von Brot und Backwaren müde fühlst oder Verdauungsprobleme bekommst, solltest du es mit Speisen versuchen, die leichter verdaulich sind. Eine Mahlzeit gilt immer dann als leicht verdaulich, wenn die Verdauungsenzyme die Zutaten relativ leicht aufspalten können. Dann fühlst du dich wohl, frisch und energiegeladen.

Es spricht also gar nichts dagegen, ab und zu ein leckeres frisches Brot zu genießen und verlangt nur ein wenig Sensibilität für deine eigenen Bedürfnisse. Höre einfach mal in dich hinein und probiere aus, was dir wirklich gut tut.

Ayurvedische Alternativen zu Brot & Backwaren

Wenn Brot und Backwaren einen wichtigen und großen Bestandteil deiner Ernährung ausmachen, kannst du vielleicht versuchen, den Konsum auf eine Mahlzeit pro Tag zu beschränken und auf folgende Dinge zu achten:

  • Frische Gemüseaufstriche anstatt Käse und Wurst.
  • Wenn Brot dann eher mittags: Da Brot kalt, schwer verdaulich und oft trocknend auf den Organismus wirkt, sind vor allem morgens und abends Gerichte vorteilhaft, die warm, anregend und leicht verdaulich sind. In vielen asiatischen Ländern ist es üblich morgens ein Reisgericht oder eine Suppe zu sich zu nehmen, was für viele hierzulande unvorstellbar ist.
  • Beigabe von Gewürzen: In vielen Ländern werden dünne Fladenbrote ohne Triebmittel und mit Gewürzen gebacken, die sie wesentlich bekömmlicher machen.
  • Nur Brot handwerklicher Herstellung oder selbst gebackenes Brot aus hochwertigem Getreide essen.
  • Sei dir deiner eigenen Konstitution und Verdauungskraft bewusst und achte darauf, wie du dich nach einem Essen fühlst.

Ein Wechsel von den täglichen Brot- und Backwaren auf warme Speisen kann sehr schnell zu einer gesteigerten Lebensqualität und mehr Energie führen. Probier es einfach mal, vielleicht mit einem warmen Porridge oder köstlichen Mung-Crêpes und achte darauf, was dir nachhaltig Energie schenkt und womit du dich am wohlsten fühlst.

Alles Liebe,
Verena

 

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