Die Yoga-Praxis ist ein wunderschöner Weg, um eine achtsame und liebevolle Verbindung zu sich selbst und seiner Umwelt aufzubauen. Doch Yoga üben hört nicht auf der Matte auf. Dort beginnt sie meist nur. Erst gemeinsam in einer bewusst abgestimmten Ernährung und einer entsprechenden Lebensweise entfaltet die Yoga-Praxis all ihre wirksamen und heilsamen Qualitäten, die ihr innewohnen.

Yoga und Essen – Wo ist da die Verbindung?

Wenn du eine liebevolle und respektvolle Verbindung mit dir selbst aufbaust und dich in einem Gleichgewicht mit deiner natürlichen Konstitution befindest, wirst du meistens auch automatisch achtsamer gegenüber deiner Umwelt. Du merkst schneller, was dir wirklich gut tut und was nicht. Dann solltest du weitgehend versuchen, die negativ wirkenden Faktoren zu reduzieren. Dies wirkt sich auf die Ernährung und auf die Wahl der Lebensmittel aus, aber auch auf den gesamten Lebensstil.

Deine Ernährung sollte dich immer dabei unterstützen, dein gesamtes System zu stärken und zu entspannen. Durch Beobachtung und deine eigenen Erfahrungen merkst du irgendwann sehr schnell, welchen Effekt deine Nahrung auf dich hat.

Anhand der klassischen Yogatexten, den Yoga-Sutren von Patanjali, kann man die Yoga-Ethik sehr gut beschreiben:

  • Yamas: Am Anfang stehen immer Ratschläge, die das soziale Miteinander betreffen, wie Ahimsa (Gewaltlosigkeit). Dies bezieht sich auf die körperliche Ebene, aber auch auf unsere Gedanken und Worte und Taten. Respekt und Rücksichtnahme sind zentrale Bestandteile der yogischen Ethik.
  • Saucha: Das Prinzip der Reinheit ist auf verschiedenen Ebenen zu verstehen. Lebensmittel sollten hochwertiger Qualität sein und möglichst viel Prana enthalten und sattvisch (klar, rein) sein. Diese Ernährung ist frisch, leicht verdaulich und aufbauend. Dazu gehören vor allem frisches, saisonales Obst, Gemüse, Getreide, Nüsse, Samen und Milch, die schonend zubereitet werden.
  • Aparigraha und Asteya: Dies bedeutet soviel wie, dass du nicht fremden Eigentum entwenden und nicht gierig sein solltest. Dies lässt sich auch auf die Wahl der Ernährung beziehen – so ist es empfehlenswert saisonal zu essen und auf unfair gehandelte Lebensmittel zu verzichten und alles nur in Maßen zu konsumieren.
  • Niyamas: Dies betrifft vor allem den Umgang mit sich selbst: Bist du liebevoll und achtsam zu dir selbst, bist du dankbar für dein Essen und gehst respektvoll damit um?

Um dir zu zeigen, wie du die yogische Ernährung in deinen Alltag integrieren kannst, möchte ich dir aus meiner eigenen Erfahrung heraus ein paar wertvolle Empfehlungen geben.

Wie du die yogische Ernährung in deinen Alltag integrieren kannst

1. Deine Bedürfnisse sind der Schlüssel zur Balance

Höre auf, an irgendwelchen Dogmen und starren Regeln festzuhalten und höre in dich hinein. Stelle dir z.B. Fragen wie: Tut mir im Winter Rohkost wirklich gut oder esse ich sie, weil sie gesund sein und schlank machen soll? Trinke ich 2,5 L Wasser, weil ich durstig bin oder weil „man das so macht“? Auch der Ayurveda lehrt uns, dass es keine Lebensmittel gibt, die pauschal als gesund, heilsam oder ungesund gelten. Während sich die eine Person durch den Konsum von vielen Nüssen, Samen und Mandeln erst so richtig in Balance fühlen mag, so heißt dies noch lange nicht, dass dies auch für dich gut ist! Höre auf deine Bedürfnisse. Sie sind der wahre Schlüssel zur Gesundheit und inneren Balance.

2. Entspanne dich

Hast du dich auch schon ein paar Mal dabei erwischt, dass du in stressigen Zeiten deine Asanas müde als Pflichtprogramm abspulst und dabei eigentlich in Gedanken die ganze Zeit ganz woanders bist? Entspanne dich! Lege in solchen Zeiten den Fokus auf Erdung und Ankommen mithilfe von Meditation und Pranayama. Du bist stolz darauf, dass du die ayurvedischen Empfehlungen wunderbar bei deiner Essenszubereitung umsetzt, sehnst dich heute aber einfach mal nach einer leckeren Pizza? Dann genieße diese!

3. Innehalten und langsam essen

Bevor du dein Essen verspeist, halte, wenn du möchtest, für einen kurzen Moment inne, atme einmal tief ein und aus und konzentriere dich auf den Moment. Sei dankbar für die großartigen Lebensmittel, die du verwenden durftest. Kaue dein Essen gründlich. Es wird dich nähren und heilen. Der erste Schritt der Verdauung beginnt mit dem Kauen deines Essens, deswegen kaue gründlich und lange und entlaste deinen Körper.

4. Mit allen Sinnen genießen

Schmecke dein Essen mit allen Sinnen. Wir nehmen beim Essen nicht nur mit unserer Zunge wahr. Wir schmecken, riechen, fühlen, hören und sehen. All unsere Sinne, Emotionen und Erfahrungen und auch unsere Umgebung und Gesellschaft beeinflussen unser Geschmackempfinden und auch unsere Verdauung. Unsere Wahrnehmungen verflechten sich zu einer multisensorisch erlebten Einheit, aus der sich das geschmackliche Erleben dann ergibt. Sei dir dieser bewusst und schaffe dir eine angenehme Atmosphäre für deine Mahlzeiten. Mach aus deinen Mahlzeiten ein schönes Ritual.

5. Iss weder zu viel noch zu wenig

Du solltest nur dann essen, wenn du wirklichen Hunger verspürst. Wenn du drei warme Mahlzeiten am Tag isst, sollte jede Mahlzeit ungefähr der Größe deiner beiden Hände entsprechen, wenn du diese zu einer Schale formst. Weniger ist jedoch nicht mehr! Auch wenn du zu wenig isst, kannst du Vata und Pitta erhöhen und deine Verdauung schwächen. Höre auf deine Bedürfnisse. Eine yogische Ernährung ist nur dann yogisch, wenn sie dir gut tut.

6. Im Einklang mit der Natur

Wenn du dich im Einklang mit deiner inneren Natur ernährst, also auf deine individuellen Bedürfnisse hörst, kannst du dich auch in Einklang mit deiner Umgebung ernähren. Wähle vor allem Lebensmittel, die regional, saisonal und frisch sind. Diese sind am besten für dich. Ernähre dich mit den Jahreszeiten, dem Wetter und den dich umgebenden Temperaturen und Bedingungen.

Wie du siehst, kannst du mit ein wenig Übung deinen yogischen Alltag wunderbar um die yogische Ernährung ergänzen und bereichern. Beginne, ein wenig Vertrauen in dich selbst zu entwickeln. Denn du bist der/diejenige, um den es bei deiner Ernährung geht!

Alles Liebe!
Verena

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